Unterwegs auf der "Gewinnerwiese" - Beitrag von unserem Mitglied L. Pommerencke

24.07.2025

Natur und Land

In meiner Kindheit, lang ist es her, sah meine Kulturlandschaft in der Pfalz anders aus. Es gab Runkelrüben, in die wir zu Sankt Martin Gesichter schnitzten, mit einer Kerze, die brennend unsere Haustreppe zierte. Getreidefelder und mehrere Kartoffelacker. Ein Maisfeld war eher die große Ausnahme. Kleine, übersichtliche Traktoren mit passenden Anhängern fuhren durch unser Dorf. Hin und wieder mal ein Kuhgespann. Im Winter wurden beim Bauern in unserer Nachbarschaft in der Regel eine Sau und/oder ein Rind geschlachtet. Irgendwie schön diese leicht verklärte Zeit.

Und heute? Unüberschaubare Felder aus Raps, nicht enden wollende Maisfelder, großklotzige Arbeitsmaschinen mit Ladewaggons, deren Bereifung bis an einen Dachkännel heranreichen könnte. In diesem Jahr wurden im Revier fünfzig Prozent der Maisfelder durch Getreide ersetzt. 

Unser kleines überschaubares Dorf war begrenzt. Hatte einen Ortseingang und einen Ortsausgang, einen Fußballplatz und einen Schützenverein; dazwischen befanden sich Häuser und sechs bis sieben kleinere Bauerngehöfte sowie eine Dorfschule. Das nächste Freibad war gut zwölf Kilometer entfernt. Den Besuch bewältigten wir Jungs mit unseren Fahrrädern. 

 

Warum erzähle ich das? Schaut euch doch einmal in eurer Umgebung um. Die Orte platzen aus den Nähten, Gewerbegebiete explodieren mir nichts dir nichts auf alten Baumwiesen und unsere Naturlandschaft zerfleddert in endlose Randwohn- und Schlafstätten. Da war es doch bei mir anders. Geordnet, strukturiert und beschaulich.

 

Das Jägerleben hat mich zu meinem Bedauern erst spät erreicht. Dafür bin ich meiner Dackeldame Kathi (Katharina von der Dammheide) sehr dankbar. Jedoch war ich an Landschaft, deren Kultur, wie dem Obstbau und am Fischen interessiert. 

Nach dem Motto: Was dem Hänschen nicht als bekannt erscheint, das wird dem Hans im Nachhinein nicht anrühren. 

 

Zu diesem Zweck beschlossen die Vorstandsmitglieder der Naturlandstiftung Main-Kinzig-Kreis e.V. im Dezember 1999 die Gründung der „Stiftung Naturland – Stiftung zum Schutz der Natur und Erhaltung der Kulturlandschaft“. Viele Ideen und Initiativen hierzu scheiterten bereits an einem viel zu kurzlebigem Atem. Die Stiftung Naturland feierte bereits im Dezember 2024 ihr 25-jähriges Bestehen. 

 

Die Stiftung Naturland hat es sich zur Aufgabe gemacht, naturnahe Lebensräume für wildlebende Tiere und Pflanzen zu bewahren, diese in einer artgerechten Art und Weise zu pflegen, zu entwickeln und dem interessierten Beobachter aufzuzeigen. Die Stiftung übernimmt geeignete Grundstücke als Eigentum, welche sie langfristig mit den Erträgen aus dem Stiftungskapital pflegt und/oder entwickelt.

Hierzu zählen Obstwiesen, welche den Lebensraum rund um die Obstbäume sichern, Feuchtgebiete in der Feldflur, bedrohte Pflanzen, Uferbiotope als Lebensader in den Auen, Waldwiesen sowie Feldgehölze, welche Wohn- und Schutzraum für Tiere und Pflanzen bewahren. Ferner zählen Messeauftritte, Fachvorträge und Exkursionen zu den begleitenden Maßnahmen dieser aktiven Kulturlandaktivisten. 

 

Was bedeutet das für uns als Jäger, die sich in der „freien Wildbahn“ bewegen? Wir merken selbst am eigenen Leibe, wie sehr der eingeschränkte Feld-, Wald-, und Wiesenblick so allmählich enger und uns versperrter wird. Orte, die sich weit voran graben, ausbreiten und immer mehr Biofläche vernichten. Gewerbeflächen, welche großräumig Konsumpaläste empor sprießen lassen, und der Freizeitdruck, der bis spät in der Nacht, bestückt mit lampiger Stirnleuchtkraft, schnaufend seine Abendrunden dreht. 

Es wird eng und immer enger. Nicht nur für uns Jäger. Auch das Wild leidet, die Pflanzenwelt erstarrt, welkt dahin und erstirbt langsam und stetig. Alles verschwimmt in einer sich auflösenden Blase aus Eigennutz, Unwertigkeit und ignoranter Selbstüberschätzung. Ein Mensch, der in der Existenz des Gegenübers nicht mehr die Sinnhaftigkeit des eigentlichen Seins erkennen kann, wie kann er sich dann selbst erkennen in seiner sinnhaftlosen Seinsform? Albert Schweitzer titelte einmal: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“.

 

Wie steht es mit der Aussage: „Die Freiheit des Einzelnen hört da auf, wo sie die Freiheit des anderen einschränkt“? Wahrlich, ich sage euch, dies sind unlösbare Aufgaben. Denn der Mensch trachtet nach seinem Egoismus, wie das Tier nach seiner Beute. Lediglich im Verstehen und im Begreifen dieser und aller Zusammenhänge werden wir bescheidener, demütiger und lernen vielleicht uns achtsamer zu verhalten. 

 

Die Naturlandstiftung ist wahrlich ein sehr, sehr kleiner Teil, sich dieser Achtsamkeit zu stellen. Die Wagemutigen, die seit vielen Jahren diese Naturarbeitsleistung wesentlich vorangetrieben haben, werden irgendwann, so ist das Leben, von der Zeit eingeholt und Nachfolger dieser besonderen Spezies sind aufgerufen, dieser Art von Achtsamkeit zu folgen. Wer sich weiter über seine Jagdausbildung hinaus Wissen aneignen möchte, an der Weiterentwicklung sowohl aktiv als auch passiv sich dem Schutz von Lebensräumen verpflichtet fühlt, der kann sich auf der Webseite der Naturlandstiftung im Main-Kinzig-Kreis e.V. informieren. Allen Jagdkolleginnen und Jagdkollegen ein gehöriges Waidmannsheil.

 

 

 

 

 

 

 

Bild zur Meldung: Mitglieder bei einer der Aktionen gegen die Herbzeitlosen auf der "Gewinnerwiese"